Bühnenprogramm

Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen – 21.07.2018

1200 – 1210 Uhr: Eröffnung und Begrüßung
1210 – 1240 Uhr: Klaus der Geiger (Straßenmusiker)
1240 – 1250 Uhr: Frank (Jongleur)
1250 – 1325 Uhr: Death, Love and Acid (Wave-Band)
1325 – 1335 Uhr: Frank (Jongleur)
1335 – 1405 Uhr: Rolly Brings (Liedermacher)
1405 – 1425 Uhr: „Drugland“ Theater-Szene 1 (Sommerblutfestival)
1425 – 1445 Uhr: „Drugland“ Theater-Szene 2 (Sommerblutfestival)
1445 – 1500 Uhr: Andreas Hübner (Bestatter und Pastor im Ehrenamt)
1500 – 1515 Uhr: Gedenkaktionen (Fackeln, Ballonflug, etc.)
1515 – 1600 Uhr: The Schabernacks (Ska-Punk-Band)

12:00 Uhr – 12:10 Uhr
Eröffnung und Begrüßung

durch JES Bundesverband e.V. und VISION e.V.

12:10 Uhr – 12:40 Uhr
Klaus der Geiger (Straßenmusiker)

Mit dem ersten musikalischen Akt direkt nach der Begrüßungsrede hören wir etwas von „Klaus der Geiger“. Der politisch engagierter Musiker und Liedermacher war bereits am Gedenktag im Jahr 2004 ebenfalls auf dem Rudolfplatz mit dabei. Schon damals freuten wir uns sehr, einen der bekanntesten Straßenmusiker Deutschlands begrüßen zu können. Geige und Latzhose sind seine Markenzeichen. Seine Musik ist eine Mischung aus Jazz, Rock, Folk und Klassik. Mit großer Deutlichkeit in seinen oft ad hoc zu aktuellen Anlässen produzierten Texten versucht er auch zu provozieren und ist somit wie geschaffen für den Einstieg in diesen Protest-, Aktions- und Trauertag.

12:40 Uhr – 12:50 Uhr und 13:25 Uhr – 13:35 Uhr
Frank (Jongleur)

In den Umbaupausen zwischen den drei Musik-Akts (also direkt vor und nach der Wave-Band) wird der Jongleur Frank seine Künste je für 10 Minuten passend zu Musik darbieten und unsere Blicke fesseln.

12:50 Uhr – 13:25 Uhr
Death Love And Acid (Wave-Band)

Bereits letztes Jahr verzauberte die Wave-Band „Death Love And Acid“ (DLAA) auf der Gedenkfeier am 21.7. auf unserem Gelände in Kalk die Besucher mit düsterer Romantik und forderten mit getragenen sphärischen Klängen über rauen Punk und Rock mit einer Prise Pop zum Tanze auf.

Wir freuen uns, DLAA dieses Jahr wieder begrüßen zu dürfen. So beginnen DLAA um 12:50 Uhr auf dem Rudolfplatz ihren Auftritt. Schwankend vor Freude und Glück in der Blase der Unsicherheit gefangen drücken sie die Schönheit des Momentes als auch die Tragik der Welt aus.

Taumelnd vor dem Abgrund und dem Fall ins unendlich traurige Schwarz bewegen sie sich zwischen Liebe, Hoffnung, Höhenflug, Absturz und Depressionen und passen somit perfekt zum Gedenktag für verstorbenen Drogengebraucher*innen. Melancholische Erinnerungen an die Verstorbenen werden hervorgerufen – die schönen Momente nicht vergessend.

13:35 Uhr – 14:05 Uhr
Rolly Brings (Liedermacher)

„Am Engk müsse mer all en de Kess“ – Dies stellte der Kölner Musiker und Texter Rolly Brings vor kurzem auf der Jubiläums-Feier eines Kölner Hospizdienstes fest. Auf lyrische und melodische Weise nähert er sich dem schwierigen Thema und ergänzt unseren Gedenktag hervorragend mit einem Augenzwinkern.

Rolly Brings ist ein scharfer Beobachter seines Umfelds: In den Themen seiner Lieder finden sich Nachbarschaftsgeschichten, Szenen aus dem „Veedel“ und dem Land. Ihm geht es um die Menschen, um ihre Sorgen, Ängste, Hoffnungen und Nöte. Als aktiver Gewerkschafter und schon von Jugend an mit Musik und Gesang in Kontakt gekommen schreckt er auch vor politischen Themen nicht zurück.

14:05 Uhr – 14:45 Uhr
„Drugland“ Theaterszenen (Sommerblutfestival)

Nach dem musikalischen Programm folgt eine eindrückliche Szene aus dem Theaterstück „Drugland“, welches im Rahmen des Sommerblutfestivals am 9.5.2018 auf dem Neumarkt und zudem Ende Mai in Dortmund und Bonn aufgeführt wurde.

Das Stück will Empathie erzeugen, die es im Alltag selten gibt. Anwohner und Geschäftsleute ärgern sich über die Drogenszene am Neumarkt. In dem Ensemble aus ausgebildeten Schauspielern, einem Tänzer, einer Straßenmusikerin und Laiendarstellern aus der Kölner Drogenszene soll der Ursprung der Konflikte ergründet und eine Utopie für ein gelungenes Miteinander entwickelt werden. Die Zuschauer werden in das Stück mit eingebunden und somit stellt das Theaterstück des Regisseurs Stefan Hermann auch ein gesellschaftliches Experiment dar.

Ihnen ist es gelungen ein Thema, das in aller Regel verzerrt dargestellt wird, in einer beeindruckenden Emotionalität darzustellen. „Drugland“ gewährt Einblick in die Seelen und Lebensrealitäten Drogen gebrauchender Menschen und offenbart einen Konflikt zwischen Gesellschaft und der Drogenszene, der (bei allem Verständnis für die Perspektive der Anwohnerschaft) in einer teils menschenunwürdigen Art und Weise geführt wird. Die Lebenswege und das Leid des einzelnen Menschen geraten dabei in der Realität leider vielfach aus dem Blick.

Bereits im letzten Jahr wurden im Rahmen des Sommerblutfestivals Lesungen im Gesundheitsamt am Neumarkt veranstaltet. In dem Projekt „No Way Out“ wurde eine nahe und konzentrierte menschliche Begegnung zwischen Konsument*innen, Helfer*innen und Zuschauer*innen möglich, die einen Einblick in die Lebensverhältnisse der Menschen ermöglichten, die substituiert werden oder im Rahmen des Diamorphinprogramms von der Stadt Köln Heroin erhalten. Auch diese Veranstaltungen waren ein voller Erfolg und es gab durchweg positive Rückmeldungen zu den Lesungen. Solche Ideen helfen uns bei unserem Anliegen, einen anderen Blick auf Drogen gebrauchende Menschen zu ermöglichen.

14:45 Uhr – 15:00 Uhr
Andreas Hübner
(Bestatter und Pastor im Ehrenamt)

Den Gedenkanteil an der Veranstaltung am Rudolfplatz leitet der Bestatter und evangelische Pastor im Ehrenamt Andreas Hübner um 14:45 Uhr ein.

Jeder Mensch ist einmalig. Dieser Spur möchte er in der Trauerbegleitung nachgehen. Die Situation des Abschieds und der Trauer ist eine der extremsten Situationen unseres Lebens und deshalb geht es und muss es um den Menschen gehen. Zum einen geht es um den, von dem wir Abschied nehmen, also seine Geschichte und seine Persönlichkeit. Zum anderen aber auch um die Zurückgebliebenen, ihre Gefühle und ihre Erinnerungen.

15:00 Uhr – 15:15 Uhr
Gedenkaktionen

In einer ergreifenden Zeremonie werden für die 52 verstorbenen Kölner Drogengebraucher*innen aus dem letzten Jahr symbolisch eine Folge von Gongs geschlagen und Fackeln entzündet. Untermalt wird dies durch ein Blasinstrument.

Mit dieser Kombination der einzelnen Elemente wollen wir im Trubel der Innenstadt eine dem Anlass entsprechende Atmosphäre herstellen. Der umfassende Gedenkteil der Veranstaltung wird abgerundet durch den Aufstieg von schwarzen Luftballons in den Kölner Himmel.

15:15 Uhr – 16:00 Uhr
The Schabernacks (Ska-Punk-Band)

Nach den ruhigen Gedenkaktionen wird es wieder etwas lauter und The Schabernacks betreten um 15:15 Uhr die Bühne. Sie vereinen die Musikstile Punk und Ska und spielen energiegeladene Musik aus dem Bergischen Pott mit Niveau. Knackige Punk-Riffs treffen auf zackige Off-Beats und eine von stählernen Kohle-Lungen angetriebene Wand aus Blech.

Die 12 Stücke, welche auf ihrer Internetseite zu hören sind, machen richtig Spaß! Damit setzen sie einen schönen Kontrast zu den vorherigen ruhigen Gedenkaktionen am Rudolfplatz.

Anfang letzten Jahres nahmen die sieben Freunde das erste Drum-Take auf und dachten sich „machen wir mal zwölf Songs, wird schon passen.“ Aber der Plan ging nicht so schnell auf und zog sich bis August. Damit war immerhin der Albumtitel geboren: „Ma eben is nich“ war ein Experiment von sehr wahnsinnigen Menschen. Mit nur wenigen Mitteln und ohne den Hauch einer Ahnung von Tontechnik haben sie sich die Wochenenden um die Ohren geschlagen, nächtelang im Proberaum gehockt und aufgenommen, dabei unendlich viele Fehler gemacht, 2498403 Takes aufgenommen und editiert und sind letztendlich am Versuch des Mischens gescheitert. Vorausschauend wie sie sind, haben sie dabei schon mal das Datum der Release-Party festgelegt bevor das letzte Trompeten Solo überhaupt aufgenommen war. Das Presswerk schimpfte, der Mischer schimpfte und sie mussten sich eingestehen, dass mal eben halt einfach nicht ist. Zu ihrem großen Glück kam ein guter Freund kurzfristig zu ihrer Rettung herbei geeilt und stürzte sich auf dieses Album wie ein Besessener. Nach vielen langen Nachtschichten hat er das Album dann endgültig fertiggestellt.

Auf ihrer Facebook-Seite ist weiterhin zu lesen: „Vielleicht ist es wirklich einfach nur wahnsinnig so viel Zeit und Arbeit zu investieren, um am Ende ein paar Stücke Musik hören zu können, an dem man keinen Cent verdient und welches vielleicht von einer handvoll Leuten gehört wird. Irgendwie fühlt sich der Wahnsinn aber trotz allem vollkommen richtig an.“

Zu Risiken und Nebenwirkungen weisen sie selber auf ihrer Internetseite als auch auf Facebook auf folgendes hin: „Einzunehmen in akustischer Form. Überdosen können zu unkontrollierter Euphorie und nicht beherrschbaren Körperbewegungen führen.“

www.theschabernacks.de